Impressionen einer Reise

Hier ein paar Bilder zu den Eindrücken die während der Besuche unterschiedlicher medizinischer Einrichtungen 2016 entstanden sind.

jetzt kommentieren? 29. March 2016

Sie will anderen Frauen Mut machen

Die afghanische Ärztin Saliha Hashimi hospitiert im Detmolder Krankenhaus

Saliha Hashimi ist Frauenärztin, aber allein hätte sie nicht nach Deutschland reisen dürfen. Sie ist Afghanin und will im Klinikum vor allem viel lernen.
Detmold. Die 32-Jährige hat ihre Facharztausbildung fast abgeschlossen. In Detmold möchte sie möglichst viel über endoskopische Eingriffe erfahren, denn diese Behandlungsmöglichkeit gibt es bislang in ihrer Heimat nicht.

Dr.med. Saliha Hasihimi

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Lernt in Detmold: Dr. Saliha Hashimi lässt sich von Chefarzt Dr. Andreas Lutkuss ein Ultraschallgerät erklären. Dr. Ataullah Zulfacar, der lange Intensivmediziner am Klinikum war, schaut zu. FOTO: PREUSS

Die junge Frau hat keine Ausbildung hinter sich, wie man sie hier kennt. Als die Taliban 1987 die Macht übernommen hatten, floh sie mit ihrer Familie nach Pakistan. Dort begann sie ihr Studium, setzte es dann aber in ihrer Heimat fort. Und dort gelten andere Regeln.

Saliha Hashimi stammt aus einer aufgeklärten Familie, ihr Vater ist Ingenieur, ihre Geschwister haben alle studiert.
„Dass ich Ärztin werden wollte, haben meine Eltern unterstützt“, sagt sie. Schwierig wurde es durch die Hochzeit und den Umzug in eine 18-köpfige
Großfamilie. Hashimas Mann ist Kinderkardiologe, seine Brüder sind Ärzte, ihr Schwiegervater ist ebenfalls Akademiker.
Doch den Familiensitten gemäß hatte ihr Mann als zweitältester Sohn nicht das Recht, etwas zu bestimmen.
Nur der älteste Schwager und ihr Schwiegervater durften entscheiden, wer das Haus verlassen darf.
„Doch mein Mann hat sich vor mich gestellt und sich durchgesetzt, denn sonst hätte ich meinen Beruf nicht ausüben können.“ Viele andere Frauen hätten dieses Glück nicht. Sie seien an das Haus gebunden und dem Mann komplett ausgeliefert. „Frauen sollen Kinder gebären, das ist ihre Hauptaufgabe.“ In ihrer beruflichen Praxis erlebe sie, dass schwer kranke Schwangere in die Klinik eingeliefert würden – oft zu spät, obwohl die ärztliche Behandlung kostenlos ist.
Die 32-Jährige fühlt sich privilegiert, dass sie nach Deutschland kommen durfte. Anderthalb Jahre habe es gedauert, bis das Visum bewilligt wurde. Der deutsch-afghanische Ärzteverein, der die Hospitation erst ermöglichte, musste dafür bürgen, dass das Paar nicht hier bleibt.
Dabei ist dies keine Frage, die sich der Afghanin stellt. „Ich will möglichst viel lernen und es weitergeben. Wir müssen anderen Frauen Mut machen, damit sich etwas ändert“, sagt
sie. Jede Frau auf der Welt habe das Recht, über sich selbst zu bestimmen. Das habe sie in Deutschland überwältigt. „Ich habe keine Angst, dass mich ein Mann auf der Straße anfasst.
Die Frauen fahren Auto, bewegen sich frei, haben eigenes Geld und verfügen darüber – wunderbar“, schwärmt sie.

INFO
Verein ermöglicht halbjährige Hospitation

Der Ärzteverein wurde 1983 von afghanischen und deutschen Ärzten gegründet, um afghanischen Flüchtlingen zu helfen. Dr. Ataullah Zulfacar, der lange Intensivmediziner am Klinikum war, organisiert die Hospitationen. Die Hospitanten bleiben in der Regel sechs Monate, dürfen Patienten in Deutschland aber nicht behandeln, sondern den Ärzten nur zuschauen. Das bedeutet für Chefarzt Dr. Andreas Lutkuss und sein Team, dass während der Operationen und Behandlungen viel Englisch gesprochen wird.
„Wir sind sehr dankbar, dass das geklappt hat. Und wir sind sicher, dass Dr. Saliha Hashimi ihr Wissen in ihrem Heimatland weitergeben wird“, betont Dr. Zulfacar.

Publiziert in der Lippischen Landeszeitung von Astrid Sewig

 

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