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Reisebericht vom 26. Februar bis 06. April 2018 in Afghanistan

Mazar- i- Sharif:
Flug über Istanbul nach Mazar-i-Scharif.
Bei meiner Ankunft am Freitag sind Behörden und Geschäfte geschlossen. Nach einer Mittagspause und Kebap zum Mittagessen besuchte ich den Garten der Familie Jubran. Das Wetter war herrlich und überall gab es schöne Mandelbaumblüten zu sehen. Mazar ist deutlich ruhiger und sauberer als Kabul.
Wie üblich bin ich im Kawun-Gebäude untergekommen. Dort herrscht reger Betrieb, 5 verschiedene Kurse für ausgebildete Hebammen zur Vorbereitung der medizinischen Einsätze in den Provinzen werden absolviert. Jeder Kurs hat ca. 25 Teilnehmerinnen und beträgt 6 Wochen. Unterrichtet wird EKG Ableitung und Diagnostik, Wundversorgung, I.V. Injektionen und Infusionen bei iranischen Arm-Modulen, sowie Malen, Kalligraphie, Abrechnung und Management.
Meine nächste Station war die Universitätsklinik, OPD mit entsprechenden Aktivitäten auf dem Uni Gelände.
Es gibt noch keine stationären Aufnahmen, dafür fehlen weiterhin die medizinischen und personellen Voraussetzungen. Aber es wurde der Grundstein für den Aufbau einer medizinischen Fakultät und einer Universitätsklinik bzw. Hospital gelegt und die Arbeiten haben bereits begonnen.
Der Universitätspräsident Prof. Mokamel Alkozai, unter anderem verantwortlich für den Aufbau der Uniklinik, bat um konsiliarische Hilfe bezüglich der Durchführung der kardiologischen Kurse für die jungen Ärztinnen und Ärzte.
Außerdem wurde ich um eine jährliche Unterstützung der medizinischen Fakultät bezüglich des Aufbaus einer eigenen Homepage gebeten. Über die Partnerschaft mit der Uni Freiburg war die Fakultät unzufrieden. Die OPD war geschlossen.
Von der Deutsch-Afghanischen Universitäten Gemeinschaft e.V. (DAUG e.V.) übermittelte ich ein Anerkennungsschreiben und 500 € Belohnung für das Jahr 2017 an den Universitätsdozenten Herrn Dr. Hamidullah Jubran.
Außerdem traf ich den deutschen Generalkonsul, Herrn Dr. Robert Klinke.
Der Flug nach Kabul: über dem Hindukusch lag, im Vergleich zum Vorjahr, weniger Schnee.

In Kabul:
Ich besuchte die Universität Kateb, wo mir nun endlich die Quittung des letzten Jahres für die gelieferten Waren für das 50 Betten Hospital in Daschte Bartchi ausgehändigt wurde. Außerdem nahm ich an den Feierlichkeiten zum internationalen Frauentag teil.
Zum 50 Betten Hospital in Daschte Bartchi:
Der Leiter ist sehr freundlich und zuvorkommend. Die Verträge mit dem Ministry of public Health (MopH) sind zunächst für ein Jahr verlängert worden. Die, von uns gespendeten, Waren sind in dem OP Raum eingeschlossen und noch nicht ausgepackt. Der Schlüssel zu diesem Raum liegt bei der Universität Kateb.
In der Universitätsklinik Ali Abad Hospital (psychiatrische Abteilung) und in der Universitätsklinik Maiwand Hospital, Abteilung Pädiatrie (Innere und Chirurgie) sind alle unsere gespendeten und aufgebauten Waren vorhanden und in vollem Einsatz. Auch der Container liegt auf dem Gelände bei Ali Abad und wird als Depot benutzt.
Im Maiwand Hospital bat man unseren Verein um den Aufbau einer interdisziplinären, pädiatrischen 4 Betten IUC Station. Hierzu wird, auf meinen Vorschlag hin, ein schriftlicher Vorschlag bzw. Antrag an uns vorbereitet.
Ausführliche Informationen und eine Fotodokumentation von der Wäscherei des Maiwand Hospitals sind vorhanden. Laut Aussage des Vizedirektors ist dieses Hospital eines der ältesten des Landes. Es wurde vor 80 Jahren mit den Waschmaschinen der Firma Miele ausgestattet. Diese wurden durch den medizinischen deutschen Dienst gewartet und arbeiten noch immer sehr gut. Diese Dokumentation brauche ich eventuell für den Aufbau einer an der medizinischen Universität Balkh, womöglich auch mit der Unterstützung der Firma Miele.
Die Familie Ghaussy Klinik in Karte Chahar ist sehr gut aufgebaut und leistet gute Arbeit. Die Klinik ist sehr sauber und ordentlich, gut besucht und führt eine ordentliche Dokumentation. Inzwischen können auch vor Ort durch Radiologiediagnostik Thorax Erkrankungen und Knochenbrüche mit Traumen erkannt und behandelt werden.
Dewan Begie Hospital: Im Süden Kabul, in einem armen, dichtbesiedelten Bezirk gelegen, personell und gute Ausstattung einer OPD, seit Ca einem Jahr aktiv, wurde besucht und es fand statt eine Fortbildung über der Diagnostik und Erstbehandlung der akuten kardialen Erkrankungen und CPR in der Praxis.
Universität von Shahid Ustad Rabani: riesige Gebäude und großes Areal am Berghang mit verschiedenen Fakultäten und insgesamt 25.000 Studentinnen und Studenten. Geräumige Vortragsräume, Gymnasium, Sportplätze usw. Dort wurde gerade eine OPD für die Studierenden und deren Angehörigen eröffnet und wir wurden um Unterstützung und Rat beim Aufbau gebeten.

Jelalabad-Khewa:
Haji Saheb, der Vater von Hashimi, Dr. Ulfat Hashimi und ich sind an einem Freitag mit einem Leihwagen (wegen der Sicherheit vor Taliban oder IS) von Kabul nach Jelalabad gereist und nach der Übernachtung bei der Familie Hashimi in Jelalabad am frühen Samstagmorgen dann nach Khewa, wo ich die OPD und die Schule besucht habe.
Der Betrieb der OPD lief sehr gut und geordnet. Patienten waren überwiegend Frauen und Kinder. Ich konnte keine Aufnahmen machen, aber der Betrieb lief sehr gut und geordnet. Die Kollegen konnte ich nur kurz sehen, da sie sehr beschäftigt waren. Der Wassertank und die Solar Anlage auf dem Dach funktionierte. Es waren einige Wasserhähne um das Gebäude angebracht, damit diese auch von Besuchern benutzt werden können. Einige Stühle lagen kaputt auf dem Dach und man wollte die Innenräume gestrichen haben. Der Brunnen draußen war intakt und das ganze Gelände prächtig grün und mit vielen Obstbäume bestückt.
Die Schule war nur von den Jungen besucht, denn die Mädchen kommen nachmittags. Die Stühle und die Tische waren alle in einem Schulzimmer verstaut, da sie mehr Raum einnehmen und die Schule mehr Fläche für die steigende Anzahl an Schülern benötigt. In mehreren Klassen saßen die Schüler wiederum auf dem Boden. Die Schulbelegschaft samt Direktor sind alles neue Angestellte und benötigen einige Dinge. (Anbei die mitgegebene Liste.)
Um das Schulgebäude ist inzwischen kein Boden mehr frei, alles wurde ausgebaut durch private Häuser oder Läden.
Die Zahl der Schüler beträgt 657: Jungen: 391 Mädchen: 266 . Es gab 14 Lehrer
Umgebung der Saidwoda Grundschule : keine Vegetation, umringt von Neubauten der neuen Einwohner, ca. 100 Mädchen und Jungen sind zum Unterricht erschienen . Der Unterricht fand im Freien an den Berghängen auf einer Plane sitzend statt. Weitere Klassen saßen auf dem Boden einer Kala, die noch nicht fertig ausgebaut war. In verschiedenen Zimmern wurde unterrichtet. Daneben liegt ein Jerib umfassende, Grundstück am höchsten Berghang, worauf die Grundschule ummauert entstehen soll. In 2-3 Jahren soll der Bau fertig sein. Dringend notwendig, aber schwer kalkulierbar.

Sonstige Aktivitäten in Kabul und Umgebung:
Ein Besuch des Emergency Hospital in Kabul und die ausführliche Besichtigung des Emergency Hospital in Onabah ,Panshir Tal :,Frauenklinik -und Geburtshilfe, Pädiatrie und Traumatologie) in der Provinz Panshir. Emergency Hospital in Onabah ist im letzten Jahr erweitert worden. Mit 7000 Geburten im Jahr und mit Patientinnen aus ganz Afghanistan zählt das Spital zu den besten medizinischen Einrichtungen in Afghanistan.

Im Gegenzug war unser Besuch in Bazarak, wo wir mit Emergency im Jahr 2003 eine OPD gebaut hatten, umso enttäuschender, da diese Klinik schon längst nicht mehr von Emergency betreut wird und seit Jahren dem MopH gehört, mit inzwischen mehreren Donatoren. Der Zustand ist desolat. Dort wird praktisch kaum noch Medizinisches geleistet. Die Klinik war verschlossen und nach Aussagen der Anwohner auch sonst kaum aktiv.
Den Gesundheitsminister zu treffen, um über das 50 Betten Hospital in Dashte Bartchi , Kabul und die OPD Klinik in Bazarak Panshir zu sprechen, gelang leider wieder nicht. Da die Verantwortlichen der Regierung die Entwicklung des Landes eher zweitrangig betrachten, wäre das aber vermutlich Zeitverschwendung gewesen.
Besuch bei MELLAT, SUPER SPECIALLITY HOSPITAL, seit Ca 6 Monaten in Kabul, Taimanie, privat gebaut in vollem Betrieb, von allen 24 stunden Hämodialysen, Nieren Transplantationen bis jetzt 27 erfolgreiche Nierentransplantationen in 6 Monaten und folgende Betreuung und das ganze Komplex ist sehr beeindruckend in Mitten von Kabul.

Und ein Lichtblick in der Uni Kabul ist Nancy Duprees Lebenswerk für die Erhaltung der Kultur Afghanistans : ACKU (Afghanistan Center at Kabul University ). Sie leisten hervorragende Arbeit. Hoffentlich kann dieses Erbe weiter bestehen und die Entwickelung der Jugend Afghanistans dienen.
Ein kurzes 13 minutiges Interview über unsere Vereinsarbeit bei TOLO TV, Bahmdate Khosh.
Herat wegen der Universitätsklinik oder des Aufbaus einer medizinischen Fakultät zu besuchen erübrigte sich, da ich bei einem telefonischen Gespräch mit Herrn Dr. Khalil Azaar, Dekan der medizinischen Fakultät, erfahren habe, dass die Verantwortlichen aus Herat im vergangenen Jahr mehrfach mit Vorschlägen und Plänen vergeblich in Kabul waren und quasi nichts geschehen ist. Warum das so ist, ist unbekannt, obwohl eine Zusage der World Bank über mehrere Millionen bis Ende 2017 bestand. Nun steht die Frage im Raum, ob man diese Zusage evtl. erneuern kann.

Abschließend kann ich sagen, dass sich leider vielerorts klare Hinweise und Beweise finden lassen, die auf eine korrupte und verantwortungslose Regierung schließen lassen, von der die afghanische Bevölkerung nicht viel zu erwarten hat.

Detmold, den 15. April 2018, Ataullah Zulfacar

jetzt kommentieren? 20. September 2018

Neuer Flyer

Hier finden Sie den neuen Flyer des Ärztevereines für afghanische Flüchtlinge e.V. aus dem Jahre 2017. Laden Sie ihn bitte herunter und wir würden uns sehr freuen, wenn Sie diesen teilen.
Wir wünschen Ihnen ein besinnliche Vorweihnachtszeit und bedanken uns bei allen Spender/Innen.
Ihr AFAF e.V.

Afaf.e.V. 2017 Flyer zum Download

jetzt kommentieren? 06. December 2017

Sie will anderen Frauen Mut machen

Die afghanische Ärztin Saliha Hashimi hospitiert im Detmolder Krankenhaus

Saliha Hashimi ist Frauenärztin, aber allein hätte sie nicht nach Deutschland reisen dürfen. Sie ist Afghanin und will im Klinikum vor allem viel lernen.
Detmold. Die 32-Jährige hat ihre Facharztausbildung fast abgeschlossen. In Detmold möchte sie möglichst viel über endoskopische Eingriffe erfahren, denn diese Behandlungsmöglichkeit gibt es bislang in ihrer Heimat nicht.

Dr.med. Saliha Hasihimi

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Lernt in Detmold: Dr. Saliha Hashimi lässt sich von Chefarzt Dr. Andreas Lutkuss ein Ultraschallgerät erklären. Dr. Ataullah Zulfacar, der lange Intensivmediziner am Klinikum war, schaut zu. FOTO: PREUSS

Die junge Frau hat keine Ausbildung hinter sich, wie man sie hier kennt. Als die Taliban 1987 die Macht übernommen hatten, floh sie mit ihrer Familie nach Pakistan. Dort begann sie ihr Studium, setzte es dann aber in ihrer Heimat fort. Und dort gelten andere Regeln.

Saliha Hashimi stammt aus einer aufgeklärten Familie, ihr Vater ist Ingenieur, ihre Geschwister haben alle studiert.
„Dass ich Ärztin werden wollte, haben meine Eltern unterstützt“, sagt sie. Schwierig wurde es durch die Hochzeit und den Umzug in eine 18-köpfige
Großfamilie. Hashimas Mann ist Kinderkardiologe, seine Brüder sind Ärzte, ihr Schwiegervater ist ebenfalls Akademiker.
Doch den Familiensitten gemäß hatte ihr Mann als zweitältester Sohn nicht das Recht, etwas zu bestimmen.
Nur der älteste Schwager und ihr Schwiegervater durften entscheiden, wer das Haus verlassen darf.
„Doch mein Mann hat sich vor mich gestellt und sich durchgesetzt, denn sonst hätte ich meinen Beruf nicht ausüben können.“ Viele andere Frauen hätten dieses Glück nicht. Sie seien an das Haus gebunden und dem Mann komplett ausgeliefert. „Frauen sollen Kinder gebären, das ist ihre Hauptaufgabe.“ In ihrer beruflichen Praxis erlebe sie, dass schwer kranke Schwangere in die Klinik eingeliefert würden – oft zu spät, obwohl die ärztliche Behandlung kostenlos ist.
Die 32-Jährige fühlt sich privilegiert, dass sie nach Deutschland kommen durfte. Anderthalb Jahre habe es gedauert, bis das Visum bewilligt wurde. Der deutsch-afghanische Ärzteverein, der die Hospitation erst ermöglichte, musste dafür bürgen, dass das Paar nicht hier bleibt.
Dabei ist dies keine Frage, die sich der Afghanin stellt. „Ich will möglichst viel lernen und es weitergeben. Wir müssen anderen Frauen Mut machen, damit sich etwas ändert“, sagt
sie. Jede Frau auf der Welt habe das Recht, über sich selbst zu bestimmen. Das habe sie in Deutschland überwältigt. „Ich habe keine Angst, dass mich ein Mann auf der Straße anfasst.
Die Frauen fahren Auto, bewegen sich frei, haben eigenes Geld und verfügen darüber – wunderbar“, schwärmt sie.

INFO
Verein ermöglicht halbjährige Hospitation

Der Ärzteverein wurde 1983 von afghanischen und deutschen Ärzten gegründet, um afghanischen Flüchtlingen zu helfen. Dr. Ataullah Zulfacar, der lange Intensivmediziner am Klinikum war, organisiert die Hospitationen. Die Hospitanten bleiben in der Regel sechs Monate, dürfen Patienten in Deutschland aber nicht behandeln, sondern den Ärzten nur zuschauen. Das bedeutet für Chefarzt Dr. Andreas Lutkuss und sein Team, dass während der Operationen und Behandlungen viel Englisch gesprochen wird.
„Wir sind sehr dankbar, dass das geklappt hat. Und wir sind sicher, dass Dr. Saliha Hashimi ihr Wissen in ihrem Heimatland weitergeben wird“, betont Dr. Zulfacar.

Publiziert in der Lippischen Landeszeitung von Astrid Sewig

 

jetzt kommentieren? 16. January 2015

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