Afghanischer Arzt hospitiert

10.November 2010

Dr. Mohammad Ayub Shinwari arbeitet zurzeit im Klinikum Lippe-Detmold
Von Thorsten Engelhardt
Mehr als 5000 Kilometer ist Afghanistan von Lippe entfernt, dennoch sind die Verbindungen in das kriegsgeschüttelte Land am Hindukusch eng.

Hospitiert in Detmold: Dr. Mohammad Ayub Shinwari aus Jalalabad bildet sich am Klinikum fort.

FOTO: ENGELHARDT

Dr.Mohammad Ayub Shinwari ist ein Beispiel dafür.

Der Arzt aus Jalalabad im Osten Afghanistans hospitiert derzeit am Klinikum Lippe-Detmold. Shinwari kommt aus einer Region des Landes, in der der Krieg täglich sichtbar ist. Daneben kann er aber vor allem auch Armut und mangelnde Bildung an den Krankheiten ablesen, die ihm auf der inneren Station des „Jalalabad Public Health Hospital” begegnen: Hauptsächlich seien es Infektionskrankheiten und Tuberkulose.
Das Distrikt-Krankenhaus hat 450 Betten und ist damit nach Shinwaris Angaben das größte in der Provinz Ningahar mit 1,5 Millionen Menschen. Hinzu kommen noch drei kleinere Hospitäler und Stationen zur medizinischen Grundversorgung in den kleineren Orten der Provinz.
Seit 19 Jahren arbeitet der 43-Jährige als Doktor, vier verschiedene Regimes hat er erlebt – und den seit 30 Jahren toben- den Krieg im Land.
„Mal war es besser, mal war es schlechter”, sagt er. In jüngster Zeit habe sich die Situation wieder gebessert.
Doch einfach ist das Leben für den sechsfachen Familienvater deshalb nicht. Die Taliban nähmen gern Ärzte, Lehrer und Ingenieure als die Intelligenz des Landes zur Zielscheibe, weil diese die Bemühungen um einen Aufbau und Bildung verkörperten.
Dr. Atuallah Zulfacar, ein seit Jahrzehnten in Detmold lebender Arzt aus Afghanistan, versucht das einzuordnen. Afghanistan sei ein Spielball ausländischer und geostrategischer Interessen. Nicht zuletzt der pakistanische Geheimdienst habe ein Interesse daran, den Wiederaufbau des Landes zu behindern.
Auch ohne Krieg ist das Leben für Dr. Shinwari schwer.
315 Dollar verdient er im Monat, den Großteil davon zahlt eine Nichtregierungsorganisation. Der Staat gebe ihm nur 70 Dollar.

„Damit kann man nicht überleben”, sagt Zulfacar.

Deshalb seien viele Ärzte nur vormittags in den Krankenhäusern und versuchten nachmittags, in der eigenen Praxis dazu zu verdienen.
Dr. Shinwari ist einer von zehn Ärzten, die der Dachverband afghanischer Mediziner in Deutschland pro Jahr zu Hospitationen in die Bundesrepublik holt. Der Deutsche Akademische Austauschdienst übernehme die Kosten, sagt Zulfacar.

In den vergangenen Jahren sei es zunehmend schwieriger geworden, Fachpersonal für die Unterweisung afghanischer Kollegen zu einer Reise an den Hindukusch zu bewegen. Daher versuche man nun, Mediziner aus dem Land in Deutschland fortzubilden.
Frauen würden dabei bevorzugt, aber es gebe nur wenige Ärztinne

Betten aus Lippe für Kinder in Kabul
Medizinische Hilfe aus Lippe erreicht Afghanistan nicht nur durch ärztliche Fortbildung, sondern auch durch Hilfslieferungen. Im vergangenen Jahr schickte Dr. Ataullah Zulfacar namens des „Ärztevereins für afghanische Flüchtlinge” zuletzt einen Container mit Material,dass das Klinikum Lippe gespendet hatte, in seine ehemalige Heimat. Darin enthalten waren Ausstattung für die Kinderklinik des zur Universität gehörenden Maiwand-Hospitals in der Hauptstadt Kabul und medizinische Geräte für eine von dem Verein errichtete Poliklinik in dem Ort Chewa im Osten des Landes. „Das ist ein wichtiger Brückenschlag zwischen Deutschland und Afghanistan.
Wir sind dankbar für die große Hilfe”, so Zulfacar. In diesem Jahr flog der Detmolder Mediziner wieder nach Kabul, um dort Mediziner auszubilden. Im Rahmen dieses Besuches wurde dann gemeinsam mit dem „German Medical Service”, einer seit Jahrzehnten im Land tätigen Hilfsorganisation, der Rest der gespendeten Ausstattung – zum Beispiel Vorhänge für die Zimmer – in dem Krankenhaus installiert. (te)

Hilfe zur Selbsthilfe: In der Poliklinik von Chewa erklärt ein afghanischer Arzt einer jungen Frau, wie sie mit den Medikamenten umgehen muss, die er ihr verschrieben hat. Die Klinik wird von afghanischen Ärzten aus Deutschland unterstützt, Teile der Ausstattung hat das Klinikum Lippe gespendet.

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