Afghanische Ärzte sammeln Erfahrungen in Detmold

27.January 2013

Mediziner bilden sich in der Kardiologie und Frauenheilkunde weiter
VON THORSTEN ENGELHARDT- Lippische Landeszeitung

Dr. Hamidullah Jubran (links) und Dr. Dirk Härtel.

Dr. Hamidullah Jubran (links) und Dr. Dirk Härtel.

Detmold. Immer wieder werden Gerät und Wissen vom Detmolder Klinikum an Ärzte in Afghanistan vermittelt. Vier Mediziner vom Hindukusch haben ihren Kollegen hier jetzt über die Schulter geschaut.

Dr. Hamidullah Jubran (40) ist Kardiologe. In seiner Heimatstadt Mazar-I-Sharif hat er mit ganz ähnlichen Problemen zu tun wie seine Kollegen der Kardiologie im Detmolder Klinikum: Herzinfarkte, koronare Herzkrankheit, Bluthochdruck sind auch in Afghanistan nicht selten, obwohl Mazar und Detmold sonst Welten trennen. So hat Jubran im Gegensatz zu seinen Detmolder Kollegen auch mit Stromausfällen und Instrumentenmangel zu kämpfen.

Drei Monate lang hat der afghanische Mediziner gemeinsam mit zwei Kolleginnen und einem Kollegen im Klinikum hospitiert. Neben Jubran arbeiteten Angila Luqmani und Mojahid Hashimi in der Kardiologie, während Gynäkologin Saliha Hashimi sich in Frauenheilkunde fortbildete.

Jetzt sind die vier Ärzte zurückgekehrt – mit zahlreichen neuen Erkenntnissen im Gepäck. So will Hamidullah Jubran seinen Studenten in Mazar-I-Sharif zeigen, wie man Herzschrittmacher einsetzt. Darüber hinaus will er seinen Kollegen aber noch einiges mehr berichten: “Die deutschen Ärzte arbeiten viel mehr. Von acht bis 16 Uhr sind sie in der Klinik.”

In Afghanistan sehe das etwas anders aus: Vormittags arbeite er mit Studenten im Balkh-Hospital. Diese Klinik ist Zentrum der medizinischen Versorgung für rund fünf Millionen Menschen. Nachmittags praktiziert Jubran privat. “Das Gehalt allein reicht nicht, um die Familie durchzubringen”, erklärt Dr. Ataullah Zulfacar aus Hiddesen. Er ist Vorstandsmitglied des Ärztevereins für afghanische Flüchtlinge, arbeitete viele Jahre im Klinikum und treibt in Afghanistan Hilfsprojekte voran.

Zulfacar hofft, dass eine zur Erneuerung anstehende Links-Herzplatte aus Detmold an das Balkh-Hospital in Mazar weitergegeben wird. Das Großgerät wird in Diagnose und Therapie von Herzkrankheiten eingesetzt. “Das wäre die erste Links-Herzplatte in Afghanistan überhaupt”, sagt er.

Deshalb hatte der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) den Aufenthalt der Kardiologen in Detmold gefördert. “Wir sind aber auch der Klinik sehr dankbar”, sagt Zulfacar. Sie habe die Gäste nicht nur aufgenommen, sondern auch die Unterkunft gestellt.

Hilfe bei Bildung und Medizin-Versorgung

Der Ärzteverein für afghanische Flüchtlinge verfolgt in Afghanistan verschiedene Hilfsprojekte. Davon und von der Gesamtsituation in der medizinischen Versorgung haben die Ärztinnen und Ärzte kurz vor ihrer Abreise bei einem Termin Detmolds Bürgermeister Rainer Heller und dem afghanischen Kulturverein berichtet. In Chewa im Osten Afghanistans hat der Verein eine Poliklinik errichtet, auf der 2013 eine Solaranlage zur Stromversorgung installiert werden soll. Im gleichen Distrikt unterhält der Verein eine Schule, die im Schichtsystem unterrichten muss, weil der Andrang so groß ist. Den Aufenthalt der Ärzte in Detmold hat der Ärzteverein gefördert, um den Transfer von Wissen nach Afghanistan zu unterstützen.

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